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News vom 02.07.07

Experten-Chat vom 02-07-2007

Thema: "Wie verkaufe ich was an wen?"

 

"Wer sind meine Zielkunden? Wie kann ich diese am besten erreichen? Welche Marktsegmente sind am interessantesten für mich? Wo ist der Markteintritt am besten zu bewerkstelligen?"

 

Unser Experte Dr. Michael Raschbichler ist promovierter Wirtschaftswissenschaftler (Universität St. Etienne, Frankreich und Kassel), gefragter Referent und Berater auf internationalen Konferenzen (zuletzt World High Speed Rail Conference Amsterdam) zum Themenbereich langfristige Veränderungen sozioökonomischer Strukturen.

Als Coach und Unternehmensberater in Kassel leitet er das Institut für berufliche Qualifikation und Existenzgründung (INEX) und ist Gutachter bei Promotion Nordhessen - dem Existenzgründerwettbewerb. Er ist Partner der Roberts Corporate Consulting, Mitglied im Wirtschaftsclub Kassel e.V. und Mitinitiator des Netzwerk Wissensmanagement Nordhessen.

 

Dr. Helmut Meisel: Herzlich willkommen zu unserem heutigen Experten-Chat. Wir freuen uns, dass Herr Dr. Raschbichler Zeit für uns gefunden hat, und möchten uns auch in Ihrem Namen ganz herzlich bei Herrn Dr. Raschbichler bedanken.

Sie können jetzt bereits Ihre Fragen stellen, ab 16:30 Uhr wird Herr Dr. Raschbichler mit der Beantwortung beginnen.

Erstmalig veranstalten wir den Chat gemeinsam mit www.starternetz.com - viele Grüße auch in die Redaktion nach Essen!

 

Yoyo Gruber: Als High-Tech Start-up im Bereich Medizintechnik stellt die Sense Inside GmbH ein Produkt zur Diagnose und Therapie von Zähneknirschen her. Wie finden wir den besten Preispunkt für das Produkt? Es sind keine Wettbewerber am Markt. Bei einem zu niedrigen Preis verschenken wir eventuell wertvolle Margen. Bei einem zu hohen Preis könnte es sein, dass wir ein negatives Image durch die Zahnärzte bekommen. Viele Dank!

 

Dr. Michael Raschbichler: Ein erster Ansatz sind grundsätzlich Ihre Entwicklungs-, Produktions- und Vertriebskosten. Ein zweiter Ansatz sind die Preise, die für aktuelle Lösungen (z.B. Knirscherschiene) aufzubringen sind.

 

Tino: Kann man den Erfolg beim Marketing messen?

 

Dr. Michael Raschbichler: Kann man - z.B. Marktforschung im Nachgang von Maßnahmen oder Feldversuche im Vorlauf.

 

Verena Bartsch/starternetz.com: Herzlich Willkommen an alle hier im Chat! Mein Name ist Verena Bartsch und wir vom Starternetz-Team freuen uns sehr, heute zum ersten Mal gemeinsam mit existXchange unseren Chat durchführen zu können! Unser Dank gilt natürlich ebenfalls dem heutigen Experten Herrn Dr. Raschbichler! Ich freue mich auf interessante Beiträge!

 

Max Huber: Sehr geehrter Herr Dr. Raschbichler, ich bin gerade dabei mich mit einer Sprachschule für Kinder selbständig zu machen. Nach einigen Kontakten aus dem Freundes- und Bekanntenkreis stellt sich mir jetzt die Frage, wie ich möglichst viele weitere Kunden/ Kinder bekommen kann. Zum einen könnte ich natürlich über die Mütter gehen, die ja die Entscheidung treffen. Zum anderen auch über die Kinder. Wie komme ich möglichst günstig an weitere Kunden?

 

Dr. Michael Raschbichler: Ihre "Endkunden" sind zwar die Kinder, allerdings zahlen die Eltern. Somit ist die Identifikation der "Mütter" als Hauptentscheider korrekt und wichtig für die Planung Ihrer weiteren Maßnahmen. Die erste Frage stellt sich hier allerdings schon mal produktbezogen: Welche Sprachen bieten Sie an? Nächste Frage: In welchem Rahmen und für welches Alter (also: im Kindergarten vor Ort, in der Grundschule oder in Ihren eigenen Räumen)? In Abhängigkeit des Angebotes (Einzelunterricht, abgeschlossene Kurse oder kontinuierliches Angebot) und des Preises kommt dieses Angebot dann auch nur für bestimmte Menschen in Frage. Wer sieht also die Notwendigkeit, dass sein Kind eine Fremdsprache möglichst früh lernen soll und ist auch noch bereit, dafür zu bezahlen? Über die einzelnen Mütter zu gehen wäre dann im Folgenden zu aufwändig - aber Mütter sind sehr geeignet für "Empfehlungsmarketing", und es gibt in diesem Zusammenhang schon im Kindergarten das Phänomen, dass nach dem ersten Jahr sich Mütter überlegen ihre Kinder gemeinsam zu Kursen anmelden. Machen Sie Ihr Angebot also über die Orte bekannt, wo Mütter sich treffen und über die Zukunft ihrer Kinder austauschen. Und versuchen Sie in den regionalen "Mutter-Kind-Familie-Zeitschriften" Ihre Angebote evtl. auch mit redaktionellen Berichten (z.B. über die Notwendigkeit der frühkindlichen Spracherziehung) bekannt zu machen - die Schaltung von Anzeigen ist hier oftmals ratsam.

 

Yoyo Gruber: Vielen Dank, Herr Dr. Raschbichler, wir wollten uns prinzipiell von der Kostenkalkulation zur Preisbestimmung hin zu einem Value-Ansatz bewegen. Die interessante Frage ist ja: Was sind die Patienten bereit zu zahlen? Für eine bisherige Zahnschiene zahlen die Patienten ca. 300-800 EUR. Bei einer Preiskalkulation, die auf den Kosten aufsetzt, verschenken wir sehr viel mögliche Marge. Welche weiteren Möglichkeiten sehen Sie? Vielen Dank.

 

Dr. Michael Raschbichler: Feldversuch in Kooperation mit einigen Zahnärzten und -technikern in einer abgeschlossenen Region oder Marktumfrage in den Zahnarztpraxen. Anders herum ist es aber auch denkbar: wieviel wollen Sie, dass Ihr Produkt kostet, und wer ist dann bereit diesen Preis zu bezahlen?

 

existXchange.de: Sehr geehrter Herr Dr. Raschbichler. Vielen Dank für Ihre Teilnahme. Welche Kriterien sind bei der Auswahl von Zielkunden besonders wichtig?

 

Dr. Michael Raschbichler: Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass es zwar immer viele mögliche Kunden gibt, allerdings nur wenige gewillt sind, den geforderten Preis zu bezahlen. Ein optimaler Zielkunde ist klar eingrenzbar (nach Geschlecht, Alter, Präferenzen, Wohnort, Hobbys, Interesse, Konsumverhalten, etc.) - auch in den Medien, die er regelmäßig nutzt. Und ein optimaler Zielkunde ist der Mensch, dessen Sprache ich selber auch spreche - nicht nur phonetisch, sondern auch inhaltlich - ich brauche nicht mit einem Biker über seine Harley diskutieren, wenn ich keinen Motorradführerschein habe. Es muss also eine Zielgruppe sein, die mir vertraut ist.

 

Moosbrugger: Welche neuen Möglichkeiten gibt es, über das Internet Kunden zu finden und meine Dienstleistung anzubieten? Bringt Internetwerbung wirklich etwas?

 

Dr. Michael Raschbichler: Das Internet ist zwar einerseits ein Pull-Instrument, in dem Interessenten/Kunden Informationen oder Produkte von Ihnen abrufen können, andererseits ist es als Push-Instrument im Vertrieb Erfolg versprechender. Internetwerbung ist heutzutage günstig und kann sehr zielgruppenspezifisch eingesetzt werden, wenn Sie nicht einfach nur über die Suchmaschinenlistung arbeiten. Je nach Branche empfehlen wir allerdings immer einen Mix aus Online- und klassischer Print-Werbung.

 

R Schmid: Gerne würde ich für meine Dienstleistung als PC-Doktor weitere Kunden finden. In meiner Region ist die persönliche Empfehlung besonders wichtig. Kann ich diese fördern? Wie komme ich zu weiteren Kundenkontakten und welche Werbemaßnahmen empfehlen Sie?

 

Dr. Michael Raschbichler: Dem klassischen PC-Doktor empfehlen wir im ersten Schritt meistens, die "einmal-oder-manchmal-Kunden" zu Bestandskunden zu machen, die ein monatliches Pauschalprodukt für Service und Wartung buchen. Wenn Sie hier kontinuierlichen Kontakt haben, können Sie noch eine Empfehlungs-Strategie einbauen die Ihren Bestandskunden "Belohnungen" bei erfolgreicher Weiterempfehlung verspricht - was das sein kann, obliegt Ihrer Phantasie, sollte jedoch den gesetzlichen Rahmen "zulässiger Werbegeschenke" nicht überschreiten.

 

Priest: Hallo Herr Raschbichler. Gibt es Ihren Meinung nach "ein goldenes Mittel", um möglichst viele Endkunden zu erreichen?

 

Dr. Michael Raschbichler: Nein. Es ist auch gar nicht immer gesagt, dass man möglichst viele Endkunden erreichen will, sondern eben DIE für den eigenen Erfolg wichtigen Kunden, die für das Produkt den geforderten Preis bezahlen.

 

outdoor: Sehr geehrter Herr Raschbichler, wir wollen einen Internetshop für Sportartikel eröffnen - sollen wir uns am Anfang möglichst breit aufstellen (möglichst viele Produkte) oder besser mit wenigen Produkten anfangen, die auf eine bestimmte Gruppe zugeschnitten sind?

 

Dr. Michael Raschbichler: Dies ist vor allem von Ihren Kontakten in die Sportwelt (Empfehlungen), Ihrem sportlichen Hintergrund (Kenntnisse) und Ihren finanziellen Mitteln (Investitionen in Warenerstausstattung sowie Betriebsmittel für Lagerhaltung) abhängig.

 

Wüstenfahrer: PR ist ja eine sehr gute und günstige Möglichkeit gesehen zu werden und Kunden anzusprechen. Ich biete Fahrten durch die Wüste an. Wie komme ich in die einschlägigen Zeitschriften? Eine besondere Story habe ich momentan nicht, aber ich würde gerne abgedruckt werden.

 

Dr. Michael Raschbichler: Der erste Einstieg ist immer der Kontakt zu den entsprechenden Redaktionen. Finden Sie heraus, wer für welche Themen der geeignete Ansprechpartner ist, und an welchen Themen aktuell gearbeitet wird, oder woran das Magazin Interesse hat. Dann sollten Sie sehen, ob Sie solch eine Story präsentieren oder eine entsprechende Fahrt organisieren können. Und je nach Magazin und Ihren Kontakten ist die Schaltung einer oder mehrerer Anzeigen angebracht.

 

existXchange.de: Können Sie Existenzgründern Tipps geben, wie sie an Daten für ihre Marktanalyse kommen?

 

Dr. Michael Raschbichler: Eine erste einfache regionale Analyse des Anbietermarktes kann beispielsweise in den örtlichen Gelben Seiten erfolgen, danach durch Anfragen bei den örtlichen Kammern - hier gibt es meistens auch monatlich erscheinende Magazine mit einfachen Marktauswertungen und man kann hieraus gut ersehen, wie sich der regionale Markt so bewegt. Allgemeine Marktdaten erhalten Gründer entweder über die Statistischen Landes- oder Bundesämter. Eine weitere wichtige Informationsquelle stellen dann die jeweiligen Interessens- oder Fachverbände zu den einzelnen Branchen dar, die in Ihrem Bereich den umfangreichsten Marktüberblick haben. Ansonsten ist es auch immer möglich über gezielte Multiplikatoren (z.B. über die Fachverbände) eine Kurzumfrage zu initiieren.

 

Wüstenfahrer: Vielen Dank für Ihre Antwort, soll ich für PR eine Agentur anheuern - die haben Kontakte, kosten aber teilweise ordentlich Geld... oder kann ich das nicht besser alleine?

 

Dr. Michael Raschbichler: Sie haben ein sehr spezifisches Thema, mit sehr spezifischen Magazinen und ganz speziellen Menschen, die dort arbeiten. Es sollte Ihnen möglich sein, mit diesen Menschen direkt in Kontakt zu treten, da Sie alle ein gemeinsames Interesse haben.

 

Dr. Helmut Meisel: Bitte haben Sie Verständnis dafür, wenn Ihre Frage nicht zum Zuge kommt. Herr Dr. Raschbichler hat sehr viele Fragen und eine gute Antwort benötigt Zeit...natürlich steht Ihnen für Ihre Fragen auch unser Forum zur Verfügung!

 

Michael Krause: Guten Tag Herr Raschbichler. Was sind Ihrer Meinung nach die besten Werbemöglichkeiten für meinen ebay-Shop? Genügt es, sich darauf zu verlassen, dass meine Kunden meinen Shop über das ebay-System finden, oder ist es sinnvoll, noch zusätzlich Werbung in Form von google-adwords, Bannern, Newsletteranzeigen, evtl. gar in Printmedien zu schalten? Vielen Dank!

 

Dr. Michael Raschbichler: Sich hinzusetzen und einfach zu warten, ob ein Kunde mal zufälligerweise vorbei schaut, ist niemals eine geeignete Vertriebsstrategie. Welche Werbemöglichkeit für Sie nun die beste ist, müssen Sie selber entscheiden - abhängig eben von Ihrem Produkt und den Zielkunden:

- Wer kauft Ihre Produkte denn normalerweise?

- Was lesen diese Menschen normalerweise?

- Wie treffen diese Menschen Kaufentscheidungen?

- Welche Kriterien sind kaufentscheidend?

Wenn es hauptsächlich der Preis ist, wäre eine Verlinkung mit entsprechenden Preissuchmaschinen sinnvoll, aber von unserer Seite nicht empfehlenswert - Verkauf über den Preis ist nur in ganz großem Stil nachhaltig wirksam.

 

existXchange.de: Gibt es eine Werbeform, die nach Ihrer Erfahrung deutlich besser funktioniert als alle anderen?

 

Dr. Michael Raschbichler: Die beste Werbung ist immer eine Empfehlung. Über die Hälfte aller Kaufentscheidungen erfolgen nach entsprechenden Empfehlungen. Allerdings kann der Aufbau einer entsprechenden Empfehlungsstrategie auch langwierig sein. Wir bevorzugen aus diesem Grund weiterhin einen Mix aus klassischen Medien, wobei die direkte Zielkundenansprache mit einem Mailing die höchste Erfolgsaussicht hat, wenn Sie im Vorfeld ausgiebig recherchiert haben, welche Probleme Sie hier optimal lösen, und welche Entscheidungskriterien hier für einen Kauf relevant sind.

 

Verkäufer: Wie werde ich zum Top-Verkäufer? Welche Schritte hat der Verkaufsprozess? Wie komme ich an die Adressen von möglichst vielen Kunden? Wie schließe ich die meisten Verkäufe ab? Können Sie mir dazu ein Buch empfehlen?

 

Dr. Michael Raschbichler: a) Wenn Sie verkaufen können (und das muss Ihnen im Blut liegen), können Sie durch entsprechende Schulungen zum "Top-Verkäufer" werden - sind Sie es nicht und haben nicht den Willen, jeden Kundenkontakt zu nutzen um die Kundeninteressen zu erforschen und einen Abschluss zu tätigen, können Sie durch Schulungen zwar ein Verkäufer werden, allerdings niemals "Top".

b) Erstgespräch, Kontaktaufnahme, Kundenvorstellungen eruieren, Vertrauen aufbauen, Angebot abgeben, Abschluss (Glatt oder Einwand bearbeiten), Kontakt halten (Bestandskunden sind wichtiger als Neukunden).

c) In Abhängigkeit von Produkt und Zielmarkt entweder aus dem Telefonbuch, Klicktel, den Kammern oder gezielt Adressen oder Leads kaufen.

d) Indem Sie eine langfristige, auf Vertrauen und gute Erfahrung basierende Kundenbeziehung aufbauen und eine klare eigene Zielvorstellung bei jedem Kundenkontakt haben.

e) Nein

 

Sachsenboy: Hallo. Kann man ohne Werbung, also mit minimalem Aufwand, überhaupt eine entsprechende Kundengruppe erreichen?

 

Dr. Michael Raschbichler: Ja, durch Empfehlungsmarketing im regionalen oder spezifischen Zielmarkt - ist allerdings langwierig und kann für Existenzgründer dann das Aus bedeuten.

 

jörg: Wir bieten ein neues Produkt zur Altersvorsorge. Wie finde ich am besten potentielle Kunden, denen ich das Produkt vorstellen kann? Von den soziodemographischen Faktoren ist das Produkt sehr breit aufgestellt und eigentlich für jeden etwas zwischen 25-55 Jahren. Es mangelt mir "nur" an dem richtigen Netzwerk. Kann man solche Kontakte auch im Internet kaufen?

 

Dr. Michael Raschbichler: Schauen Sie doch mal bei topleads.de vorbei.

 

Abogast: Herr Dr. Raschbichler, Sie sagten, den Erfolg von Werbung könne man messen. Ich frage mich, wie? Denn wie kann ich sehen, ob meine Kunden auf Grund der Werbung auf mich aufmerksam wurden?

 

Dr. Michael Raschbichler: 1. Es sollte Ihnen möglich sein, nach einer spezifischen Werbemaßnahme festzustellen, ob sich etwas in der Anzahl Ihrer Kundenkontakte oder Ihren Umsätzen verändert hat.

2. Sie können Werbebotschaften mit Gutscheinen oder anderen "Return-Boni" verbinden.

3. Sie können Neukunden fragen, wie diese auf Sie aufmerksam wurden.

 

Dr. Helmut Meisel: So, der Chat nähert sich langsam dem Ende. Ich bedanke mich schon einmal bei Herrn Dr. Raschbichler - auch im Namen von starternetz.com - für seine hervorragenden Antworten und bei Ihnen für Ihre guten Fragen.

Wir hatten sehr viele Fragen, die alle unmöglich in einer einzigen Stunde beantwortet werden können. Wir bitten dafür um Ihr Verständnis und möchten noch einmal auf unser Forum verweisen...

 

kondor: Ich erstelle Webseiten und schalte manchmal kleine Anzeigen in der lokalen Zeitung. Was kann ich sonst noch machen?

 

Dr. Michael Raschbichler: Kontakt zum Magazin der regionalen IHK, Empfehlungsmarketing, Flyer verteilen, Kaltakquise bei Neugründern. Insgesamt ist Ihr Kapital Ihre eigene Bekanntheit am Markt - je spezifischer Sie hier ein Marktsegement belegen, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, hier Kompetenzen als Problemlöser anbieten zu können und entsprechend weiter empfohlen zu werden - allgemeine Webseiten-Programmierer gibt es aktuell sehr viele und der Markt ist schon ziemlich gesättigt.

 

Dr. Helmut Meisel: Falls Sie noch eine ganz dringende Frage haben, haben Sie jetzt noch ein par Minuten Gelegenheit, diese zu stellen...

 

Thomas Mayerhofer: Das Thema Bestandskundenpflege hört man immer wieder. Welche Möglichkeiten gibt es denn, die Bestandskunden auf mich aufmerksam zu machen? Wie kann ich am besten die Email-Adressen sammeln? Darf ich aus rechtlicher Sicht gesehen diese Kunden mit aktuellen Werbeaktionen anschreiben?

 

Dr. Michael Raschbichler: Als ersten Schritt führen Sie selber eine Kundenkartei mit allen für Sie wichtigen Daten zum Kunden, inkl. Präferenzen und Käufen. Je genauer Sie Ihren Kunden kennen, desto besser können Sie ein auf ihn passendes Angebot machen und seine Kaufentscheidung vereinfachen. E-mail-Adressen sammeln Sie am besten über Ihre eigene Homepage über eine Registrierung oder wenn Sie bsplw. einen kostenlosen Download anbieten, bei der Kunden auch schon der Weiterverwendung zustimmen. Bei E-mail-Adressen, die Sie nicht selber generiert haben, müssen Sie zumindest am Ende den Empfängern die Informationen geben, wie er bei Wunsch aus Ihrem Verteiler gestrichen werden kann. Grundsätzlich sind Sie bei Versendung von vielen E-Mails der Gefahr ausgesetzt, als "Spammer" katalogisiert zu werden und auf einer "Black-List" zu landen. Nutzen Sie aus diesem Grund am besten immer selbst generiertes Adressenmaterial oder kaufen Sie gezielt Adressen von Zielgruppen (z.B. von Fachverbänden) ein.

 

Dr. Helmut Meisel: So, der Chat ist hiermit beendet - wir würden uns freuen, wenn wir Sie bei unserem nächsten Chat zum Thema "Fördermittel" am 6. August um 16:30 Uhr wieder begrüßen dürfen. existXchange.de und starternetz.com wünschen Ihnen noch eine erfolgreiche Woche!

 

Sandra: Wie mache ich am besten auf mein Sonnenstudio aufmerksam? Welche Werbung lohnt sich am meisten?

 

Dr. Michael Raschbichler: 1. Standort (Laufkundschaft?)

2. Außenwerbung (ansprechend/auffällig)

3. Anzeigen, Flyer

4. Empfehlungsmarketing (z.B. für jeden Neukunden eine 10er-Karte umsonst)

5. Bestandskunden halten

6. Sonderaktionen, die für örtliche Tagespresse von Interesse sind.

 

Abogast: Welche Punkte sind beim Aufbau eines eigenen Vertriebs besonders zu beachten?

 

Dr. Michael Raschbichler: a) Produkt klar definiert

b) Preis und Konditionen eindeutig

c) Medien professionell erstellt

d) Zielgruppen eingegrenzt

e) Vertriebsziele (Jahres-/Monats-/Wochen- und Tagesziele) formuliert

f) Hohe Marktkompetenz (welche Probleme hat mein Kunde, wie kann ich diese lösen, wer versucht das auch noch, womit?)

g) Klare Strategie

h) Gute Verkäufer (sollten oben Stehendes umsetzen können)

 

Tino: Kann man im Bereich "Marketing" pauschalisieren und sagen, dass diese oder jene Marketingstrategie branchen- oder produktübergreifend funktioniert?

 

Dr. Michael Raschbichler: Nein - in der heutigen Zeit ist fast alles möglich und denkbar. Wie wir sehen können, bricht aktuell virales Marketing mit fast allen gängigen Konventionen - gerade das unerwartete ermöglicht heute auch große Erfolge.

 

newbie: Welche Punkte sind bei einer Markteintrittsstrategie besonders zu beachten?

 

Dr. Michael Raschbichler: Von größter Bedeutung sind Ihre eigenen Ressourcen - konzentrieren Sie sich aus diesem Grund wirklich auf Ihre optimale Zielgruppe - die Menschen, die Sie für Ihren wirtschaftlichen Erfolg wirklich brauchen. Als zweiten Punkt empfehle ich Ihnen von Anfang an alles professionell zu gestalten - sämtliche Medien, sämtliche nach außen gerichtete Darstellungen - ist der erste Eindruck eher negativ, oder wird Ihr Angebot unprofessionell präsentiert, wird dieser Eindruck Ihr zukünftiges Image sein, bzw. Sie werden viel Arbeit, Zeit und Geld dafür aufwänden, Ihr Image so zu korrigieren, wie Sie es gerne hätten.

 

existXchange.de: Wie sehen Sie als Businessplan-Coach, ob sich die Verfasser genügend Gedanken über Marketing und Vertrieb gemacht bzw. nicht gemacht haben?

 

Dr. Michael Raschbichler: Eigentlich ist es sehr einfach:

- Weiß der Gründer, worüber er schreibt, und kann er seine Aussagen belegen?

- Kann er den aktuellen Markt beschreiben, was verändert sich?

- Weiß er, welche weiteren Anbieter am Markt sind?

- Kennt er deren Produkte, Angebote und Preise?

- Beschreibt er die Kundenvorteile zu seinem Produkt?

- Identifiziert er eine Zielgruppe?

- Wie alt ist sein optimaler Kunde?

- Wo wohnt er?

- Was liest er?

- Was macht er am liebsten?

- Auf welche Reize spricht dieser Kunde an?

- Welche Multiplikatoren wären geeignet um diese Zielgruppe anzusprechen?

- Beschreibt der Gründer einen Vertriebsprozess wirklich von der ersten Kontaktaufnahme über den Verkauf bis hin zur Nachkundenbetreuung?

- Wie generiert er Kontaktdaten?

- Wie spricht er Kunden womit das erste Mal an?

- Welche Medien setzt er ein, welche Angebote macht er, welche Rabatte kann er gegebenenfalls einrichten?

Je detaillierter man sich mit dem Markt beschäftigt, desto genauer weiß man über die Kunden, deren Probleme, Bedürfnisse und die Entscheidungskriterien für einen Kauf Bescheid. Und je mehr man hier weiß, desto optimaler kann man seine Ressourcen einsetzen, desto geringer ist das Risiko zu scheitern und desto schneller kann sich der wirtschaftliche Erfolg einstellen. Jeder Geschäfts- oder Businessplan ist eine im Vorhinein gedachte Gründung. Denken Sie die Gründung so detailliert wie nur möglich voraus, und schreiben Sie Ihre Gedanken auf - je genauer Sie im Vorfeld wissen, welche Ziele Sie später erreichen wollen und welche Schritte hierzu genau nötig sind, desto einfacher ist die erfolgreiche Umsetzung Ihrer Idee.

 

spitzenhaut: Guten Tag Herr Raschbichler. Mich würde Folgendes interessieren: Ich betreibe einen kleinen Online-Shop mit handgemachten Damen T-Shirts und Unterwäsche (www.spitzenhaut.eu). Was würden Sie mir raten? Für welche Zielgruppe soll ich meine Werbekampagne vorbereiten? Welche Werbemittel würden Sie mir empfehlen? Danke im Voraus!

 

Dr. Michael Raschbichler: Da ich hier leider zu wenig Informationen zu Ihrem Produkt habe, kann ich Ihnen leider nichts Direktes empfehlen. Die optimale Zielgruppe können nur Sie definieren. Ein erster Hinweis kann aber sein, ob es sich um Endverbraucher oder Zwischenhändler handelt, an die Sie sich wenden - beide Zielgruppen wären verschieden anzusprechen. Ansonsten vermute ich, dass ein Direktvertrieb im eigenen Wohnzimmer mit Empfehlungsmarketing (à la "Tupper-Party") für Sie ein geeignetes Medium für den Erstkontakt sein könnte und Ihr Online-Shop dann für die Bestandskunden das 24h-Kaufhaus darstellt (aber erst, wenn Sie schon wissen, was Sie wollen).

 

Bei weiteren Fragen zum Thema können Sie sich gerne an uns wenden! Wir leiten diese dann weiter:

redaktion@starternetz.com.

 

Die Experten-Chats werden durchgeführt von www.existxchange.de und www.starternetz.com.

 

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