Experten-Chat vom 03-03-2008
Thema: "PR und Öffentlichkeitsarbeit in kleinen und mittelständischen Unternehmen"
Starternetz.com: Einen wunderschönen Guten Tag! In wenigen Minuten startet hier im Chatraum des STARTERNETZES unser heutiger Experten-Chat zum Thema "PR und Öffentlichkeitsarbeit in kleinen und mittelständischen Unternehmen". Alle Fragen rund um das Thema beantwortet Ihnen heute Kommunikationsberaterin Susanne Kirchhof, bei der wir uns jetzt schon für Ihren heutigen Einsatz bedanken möchten! Wir wünschen allen einen unterhaltsamen und informativen Chat. Viel Spaß wünscht Verena Bartsch vom STARTERNETZ!
Frau Kirchhof, Sie beschäftigen sich damit, wie sich Unternehmen in der Öffentlichkeit präsentieren und vor allem Kontakte knüpfen und pflegen. Wie genau sieht denn die Öffentlichkeitsarbeit kleinerer Unternehmen aus?
chefin: Ich bin noch sehr unwissend, was das Thema PR angeht. Gibt es zusammengefasst vielleicht ein paar Punkte, die man auf jeden Fall beachten oder umsetzten muss?
dhouse: Das würde mich auch interessieren: macht PR für kleine Unternehmen, ca. 5 Mitarbeiter, überhaupt Sinn?
Kirchhof: Grundsätzlich geht es immer darum, wie ein Unternehmen von der Öffentlichkeit wahrgenommen wird. Deshalb ist es wichtig, den Imageaufbau von Anfang an ernst zu nehmen. PR macht m. E. auch für einen 1-Personen-Betrieb Sinn.
Starternetz.com: Aber wie schafft man es, auch PR mit unter einen Hut zu kriegen, wenn man sowieso schon kaum Zeit hat. Wie kann man PR am besten in den Arbeitsalltag integrieren?
dhouse: Kirchhof> Wie komme ich als kleiner Unternehmer denn an die entscheidenden Presse-Kontakte? Nehmen die mich dort überhaupt ernst?
Kirchhof: Ich gebe auch Seminare in Sachen Zeitmanagement :-) Für die Präsentation seines Unternehmens in der Öffentlichkeit sollte man sich schon Zeit nehmen.
Es macht aus meiner Sicht nicht unbedingt Sinn, mit jedem "Kleinkram" an die Öffentlichkeit zu gehen. Unternehmer/innen sollten schon ein Gespür dafür haben, was für die Öffentlichkeit wichtig ist. PR beschränkt sich aber nicht nur auf die Presse, sondern ist vielmehr das gesamte Spektrum der Außenaktivitäten eines Unternehmens. Natürlich geht es aber auch um die Berichterstattung.
Als Kleinunternehmer/in haben Sie vielleicht die Möglichkeit, im Rahmen von Veranstaltungen, die Sie besuchen, Kontakte zur Presse zu knüpfen.
dhouse: Kirchhof> Wie habe ich mir denn jetzt PR im Unterschied zu Marketing vorzustellen? Wenn ich jetzt zum Beispiel erneut eine sehr interessante Sache im Auftrag eines Kunden erledige - nehmen wir mal an, eine Ausstellung oder Installation im öffentlichen Raum - wie kann ich das denn nun für meine PR nutzen a) in den richtigen Medien, b) ohne den Kunden zu vergraulen?
Kirchhof: Ernst genommen werden Sie vor allen Dingen mit interessanten Statements, Aktivitäten oder Engagements. Manchmal lohnen sich auch Ehrenämter.
dhouse> Wichtig ist, dass der Kunde nachvollziehen kann, was Sie tun. Wenn Sie etwas Gutes für Ihren Kunden getan haben, wird es ja niemand negativ darstellen worden und insofern kommt es doch automatisch Ihrer PR zu Gute. Oder habe ich etwas nicht richtig verstanden?
Starternetz.com: dhouse> Hat denn der Kunde Angst, in der Öffentlichkeit genannt zu werden? Nur dann könnte man ihn ja vergraulen, oder?
Kirchhof: Genau das meinte ich. Vielen Dank für die Frage, Frau Bartsch.
dhouse: Nein - das nicht! Man muss aber immer mit diversen Eitelkeiten rechnen ;-). Aber wo ist denn jetzt der Unterschied zwischen Marketing und PR? Wenn ich an eine Zeitung ran trete und sie frage, ob sie über ein von uns realisiertes Projekt berichten wollen - ist das nicht eher Marketing? Weigert sich da nicht jeder seriöse Journalist, etwas zu schreiben? Es sei denn, man heißt Deutsche Telekom oder Deutsche Post und kauft sich die Berichterstattung ;-).
Starternetz.com: Die Schwierigkeit liegt sicherlich in der Ansprache des "richtigen" Mediums, oder, Frau Kirchhof? Aber wie findet man das Medium, wo man die größten Chancen auf Erwähnung hat?
Kirchhof: Es kommt immer darauf an, wie Sie an die Presse herantreten. Das Thema muss interessant sein und vor allen Dingen auch interessant aufbereitet sein.
An Frau Bartsch: Das ist völlig richtig. Für die Chancen auf Erwähnung gibt es leider keine Garantie, auch nicht, wenn man schon Jahre lang einen guten Kontakt zu verschiedenen Redaktionen hat.
Starternetz.com: Und wenn man nun absolut kein Talent auf der schriftlichen Ebene hat? Gibt es Leute, die kleine Unternehmen in ihrer Öffentlichkeitsarbeit für wenig Geld unterstützen?
Kirchhof: Ja, natürlich gibt es die auch. Aber auch die kosten Geld.
dhouse: Kirchhof> Was heißt denn jetzt "interessant aufbereitet" in concretum? Als Power Point? Mit schönen Fotos? Oder eher eine originelle Schreibe? Ich dachte, das machen die Journalisten?
Starternetz.com: Gibt es welche, die günstige Tarife anbieten speziell für Gründer oder kleine Unternehmen?
Kirchhof: Ich rate zu einer knackigen Headline. Überlegen Sie sich mal, welche Artikel Sie in der Zeitung gerne lesen. Wenn Sie ein aussagekräftiges Foto mitschicken können, kann das Sinn machen. Am besten versuchen Sie, vor einer Veranstaltung (Ausstellungseröffnung etc.) eine Redaktion zu informieren. Wenn das Thema spannend genug für die Redaktion ist, kann es sein, dass jemand von der Redaktion zum Termin bereits da ist und somit die PM überflüssig wird. Wenn nicht, dann sollten Sie selbst stichpunktartig die wichtigsten Faktoren zusammentragen und an die entsprechende Redaktion senden.
An Frau Bartsch: Mir sind keine günstigen Anbieter bekannt. In diesem Zusammenhang kann ich nur empfehlen, ein paar Einzelunternehmer abzutelefonieren und sich dann nach deren Tarifen zu erkundigen. Mit ein wenig Glück steht so was auch schon mal auf der Website von Anbieter/innen. Aber Vorsicht: Damit ist noch nichts über die Qualität der Arbeit ausgesagt.
Starternetz.com: Somit sind aber doch die weniger begabten "Schreiber" eher aufgeschmissen. Da ist doch vorprogrammiert, dass (zumindest schriftliche) PR auf der Strecke bleibt oder trotz Anstrengungen nicht an die Öffentlichkeit gelangt. Oder reicht es Redaktionen, wenn sie nur Stichpunkte bekommen und selbst einen Text verfassen?
Kirchhof: Die Frage erinnert mich ein wenig an die Qualität von Ware beim Einkaufen. Hierzu habe ich kürzlich noch folgendes Statement gehört: "Wir können nur hochwertige Ware kaufen, weil wir es uns nicht leisten können, Billigprodukte zu kaufen". Vernünftige Beratung kostet Geld. Beim Thema Öffentlichkeitsarbeit sind ähnliche Regeln wie beim Bewerben angezeigt: Man sollte sich immer in die Rolle derjenigen hineinversetzen, die über das Thema berichten sollen. Was könnte sie interessieren; welche meiner Informationen könnten für potenzielle Kunden wichtig sein? Wer im Vorfeld diese Fragen schon mal beantworten kann, ist auf dem richtigen Weg :-).
Starternetz.com: Kirchhof> Ist es denn sinnvoll, sich bestimmte Zeiten am Tag/in der Woche für PR einzuplanen, wenn man dazu tendiert, PR eher zu vernachlässigen?
Kirchhof: Auf jeden Fall.
Starternetz.com: Wenn aber gerade "nichts" anfällt? Also kein besonderes "Happening" da ist, über das man berichten könnte? Wie kann sich PR dann äußern?
Kirchhof: Auf keinen Fall krampfhaft an die Öffentlichkeit gehen, d. h. wie schon eingangs gesagt, nicht mit jedem Kleinkram an die Presse herantreten. Das ist eher kontraproduktiv. Aber: es gibt jede Menge kostenfreie Unternehmerstammtische usw., bei denen man hervorragend auf sich aufmerksam machen kann.
Starternetz.com: Nun, ich habe den Eindruck, die restlichen Mit-Chatter haben keine Fragen mehr..Dann möchte ich mich bei allen Teilnehmern ganz herzlich bedanken, insbesondere aber bei Frau Kirchhof, durch deren Wissen wir mal wieder vieles dazu gelernt haben! Allen noch einen schönen Abend und eine erfolgreiche Woche wünscht Verena Bartsch vom Starternetz!
Bei zusätzlichem Informationsbedarf und zur Klärung weiterer Fragen zum Thema "PR und Öffentlichkeitsarbeit in kleinen und mittelständischen Unternehmen" steht Ihnen die Expertin gerne zur Verfügung:
Frau Susanne Kirchhof
Kommunikationsberatung, Essen
info(at)susanne-kirchhof.de