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News vom 06.11.07

Experten-Chat vom 05-11-2007

Thema: "Die richtige Krankenversicherung für Existenzgründer"

"Soll ich mich gesetzlich oder privat Krankenversichern? Worauf muss ein Existenzgründer bei der Auswahl einer Krankenversicherung achten? Welche Krankenversicherungs-Leistungen sind bei einer Existenzgründung unbedingt notwendig?"

Senior Financial Consultant Tino Weissenrieder steht Existenzgründern im Chat Rede und Antwort.

Über den Experten: Tino Weissenrieder, Jahrgang 1973, hat an der Hochschule Offenburg sein Studium zum Dipl.Wirtsch.Ing (FH) absolviert. Seit über sechs Jahren arbeitet er als Senior Financial Consultant im Bereich Private Finance  der MLP AG. Des Weiteren ist er Dozent an der Corporate University der MLP AG.

Website: www.mlp.de, Email: tino.weissenrieder(at)mlp.de

Frage von existXchange.de: Sehr geehrter Herr Weissenrieder, vielen Dank für Ihre Teilnahme! Welche Bedeutung kommt der Krankenversicherung bei einer Existenzgründung zu? Oder anders gefragt, warum sollten sich Existenzgründer um die richtige Krankenversicherung kümmern und nicht Ihre ganz Energie in das richtige Geschäftsmodell investieren?

Tino Weissenrieder: Hallo liebes existXchange-Team. Zu der Planung einer Existenzgründung gehört im Wesentlichen auch die Risikoabsicherung. Zu dieser gehört das Thema "Absicherung der Gesundheit". Wie wohl jedem bekannt ist, ist unsere Gesundheit unser wichtigstes Gut, von welchem oft der Erfolg einer guten Gründung abhängt. Die Gesundheit sollte so optimal wie möglich abgesichert sein. Deshalb ist es auch für Existenzgründer oder Selbständige wichtig in einem guten Gesundheitssystem abgesichert zu sein.

Frage von STARTERNETZ.com: Sehr geehrter Herr Weissenrieder, auch das Starternetz-Team sagt vielen Dank für Ihre freundliche Unterstützung unseres heutigen Chat-Themas "Die richtige Krankenversicherung für eine Existenzgründung". Wir haben auch schon eine Wissenslücke, die wir gerne mit Ihrer Hilfe schließen möchten: Welche konkreten Vorteile bietet mir als Selbständigem eine private Krankenversicherung? Gibt es auch Nachteile, die ich einkalkulieren muss?

Tino Weissenrieder: Hallo STARTERNETZ.com, Vorteile sehe ich in der besseren Gesundheitsversorgung. Es ist mittlerweile nichts Neues mehr, dass die gesetzlichen Systeme in vielen Fällen eine Top-Versorgung nicht mehr darstellen können. Umso wichtiger ist es, in einem guten System abgesichert zu sein. Des Weiteren kann man in einer privaten Krankenversicherung auch viele Parameter selbst bestimmen, z.B. die Leistung verschiedener Tarife, Selbstbeteiligung, usw. Objektive Nachteile könnten sein, dass - falls man viele Kinder will - jedes Kind einen Beitrag ins Gesundheitssystem entrichten muss, und man dadurch gegebenenfalls höhere Beiträge hätte als bei einer "Familienversicherung" in einer GKV.

Frage von Thomas Mayerhofer: Beim Abschluss von privaten Krankenversicherungen sind für Selbständige ja einige Entscheidung bezüglich der Beitragsstruktur zu treffen. Was empfehlen Sie für Existenzgründer: Eher eine hohe Selbstbeteiligung? Wie sollten man bezüglich der Quote für die Zähne verfahren?

Tino Weissenrieder: Grundsätzlich kann man als Selbständiger immer eine hohe SB wählen, denn wenn man die SB über das Jahr mit seine Fixkosten für den Tarif kumuliert, ist dies meist günstiger, als wenn man einen Tarif ohne SB wählt. Manche Versicherer bieten sogar Tarife an, in welchen Sie von einer Selbstbehaltsstufe in eine andere ohne erneute Gesundheitsprüfung wechseln können. Dies kommt den Versicherten dann meist mit zugute, sobald der Gesundheitszustand nicht mehr optimal ist.

Frage von Dad: Lohnt sich eine private Krankenkasse für mich, wenn ich meine Frau und meine 4 Kinder mit einbeziehe? Ist da nicht die gesetzliche viel besser?

Tino Weissenrieder: Hallo Dad, naja, wir dürfen natürlich jetzt nicht Äpfel mit Birnen vergleichen. Das private System hat mehr Leistungen als das gesetzliche Krankenkassensystem. Um diese vergleichen zu können, müsste man berechnen, was denn private Zusatzversicherungen im ambulanten, stationären und Zahn-Bereich für die sechsköpfige Familie kosten würde, zuzüglich der Kosten für die GKV. Diese Gesamtkosten können sie dann mit einem Angebot einer PKV für die ganze Familie vergleichen (kostenseitig).

Frage von existXchange.de: In den letzten Jahren haben sich auf dem Markt auch Discount-Anbieter für Krankenversicherungen etabliert. Sind diese Anbieter ebenso seriös wie ihre etablierten Konkurrenten?

Tino Weissenrieder: Ob seriös oder nicht, darüber kann ich kein Urteil fällen. Jedoch ist bei relativ "jungen" Versicherern oder Tarifen immer ein Preisvorteil, denn im jeweiligen Tarif sind ja fast nur "junge" Risiken versichert. Also kann man oft davon ausgehen, dass diese Tarife sich dann später schneller wieder an den Markt anpassen. Ein weiterer Punkt sollte auch sein, dass man schaut, ob der Versicherer eine bestimmte Zielgruppe mit speziellen Risiken betreut. Dahingehend kann man auch Rückschlüsse auf evtl. künftige "Schadensquoten" ziehen.

Frage von yoyo Gruber: Wie setzt sich ein Kostenmodell für den Beitrag zusammen? Was ist für einen Existenzgründer attraktiv? Welche wesentlichen Faktoren bestimmen die Höhe des Beitrags der Versicherung?

Tino Weissenrieder: Hallo Yoyo, das Kostenmodell für die Beiträge ist natürlich individuell. Denn die Versicherer kalkulieren ja unterschiedlich, was an unterschiedlichen Preisen von ähnlichen Tarifen festzustellen ist. Was denn für einen Existenzgründer attraktiv sei, ist ebenso individuell zu sehen. Der eine legt eben mehr Wert auf qualitativ hochwertige Absicherung, andere auf einen günstigen Preis. Faktoren, welche die Kosten für eine Krankenversicherung bestimmen, sind meist: Geschlecht, Alter, Gesundheitszustand, Leistungsspektrum des gewünschten Tarifes.

Frage von newbie: Wer darf eigentlich in die Künstlerversicherung und warum ist Sie so attraktiv?

Tino Weissenrieder: Jeder Selbständige und Beamte darf. Angestellte dürfen, sobald das Jahreseinkommen in drei aufeinander folgenden Jahren die 47.750 Euro überschritten hat. Attraktiv ist sie, weil das Leistungsspektrum "selbst" bestimmt werden kann, und somit sich auch der Preis attraktiver gestalten lässt. Ob man sich privat versichern kann, hängt ebenfalls noch vom Gesundheitszustand ab. Viele Personen werden leider bei Antragstellung abgelehnt aufgrund von pot. Gesundheitsrisiken.

Frage von Thomas Mayerhofer: Können Sie ein Rechenbeispiel machen? Der Betrag ist voll zu zahlen, oder? Dies verändert die Berechnung stark im Vergleich zu einer Versicherung aus der Angestelltentätigkeit heraus?

Tino Weissenrieder: Ich verstehe ihre Frage leider nicht. Wenn sie in einer PKV versichert sind oder freiwillig in einer GKV als Selbständiger, zahlen sie immer den vollen Beitrag, da sie in beiden Fällen keinen Arbeitgeber haben!

Frage von Antje: Hallo Herr Weissenrieder, können Sie etwas zur Beitragsstabilität sagen? Woran kann ich diese erkennen? Gibt es dort Unterschiede für Frauen und Männer?

Tino Weissenrieder: Hallo Antje, zur Beitragsstabilität kann man sagen, wenn man den Statistiken glaubt, dass das gesetzliche Gesundheitssystem (Durchschnitt aller Kassen) in den letzten 30 Jahren mit rund 7% gestiegen ist, der Schnitt der privaten Kassen im selben Zeitraum war bei ca. 5,6%. Zumal bei der GKV im selben Zeithorizont unzählige "Reformen" immer mehr Leistungskürzen gebracht haben. In der PKV hingegen blieben die Tarife bezogen auf die Leistung stabil. Dies kann natürlich bei verschiedenen Tarifen und bei Männern/Frauen unterschiedlich sein.

Frage von PC-Support: Hallo Herr Weissenrieder, kann ich jederzeit von einer gesetzlichen in eine private Krankenversicherung wechseln und anders herum?

Tino Weissenrieder: Sie können mit einer Drei-Monats-Frist von einer GKV in eine PKV wechseln, also sich vom gesetzlichen System befreien lassen. Zurück von der PKV in die GKV geht das nicht so einfach. Die Frage wäre hier auch, warum man von einem leistungsstärkeren System in ein marodes zurückwechseln wollen würde.

Frage von Abogast: Was genau ist eigentlich das Krankentagegeld, und wie finde ich heraus, was ich da benötige?

Tino Weissenrieder: Das ist eine Absicherung, welche ihre persönlichen Fixkosten (Miete, Konsum, usw.) im Krankheitsfall decken sollte. Also falls sie krank wären, können sie nicht mehr arbeiten, dennoch haben Sie Kosten, die gedeckt sein sollten. Man sagt hier, das Krankentagegeld sollte mindestens so hoch sein, dass die Fixkosten im Monat gedeckt sind.

Frage von yoyo Gruber: Hallo Tino. Welche wesentlichen Parameter gibt es für das Leistungsspektrum einer Versicherung? Was sind die wesentlichen Kategorien, auf die zu achten ist?

Tino Weissenrieder: Man unterscheidet hier meist in Ein- bis Fünf-Sterne-Tarife. Ein Ein-Stern-Tarif hat ein Leistungsspektrum, das ähnlich dem gesetzlichen ist. Ein Fünf-Sterne-Tarif hat Zusatzleistungen wie 1-Bett-Zimmer, Chefarztbehandlung, 100% Zahnbehandlung/80% Zahnersatz, usw. abgedeckt. Man unterscheidet meist die Kategorien: ambulant, zahn und stationär.

Frage von Antje: 5,6% Steigerung pro Jahr macht in 30 Jahren einiges aus. Ist es notwendig, Geld auf die Seite zu legen, um im Alter die dann erheblichen Krankenkassenbeiträge zu bezahlen?

Tino Weissenrieder: Dies ist ein wichtiger Punkt. Es ist für JEDEN wichtig, sich eine Reserve für die Gesundheitskosten im Alter anzusparen - egal, ob in der GKV oder in der PKV!!! Die Gesundheitskosten im Alter werden so enorm sein, wie wir sie uns in unserer heutigen Gesellschaft gar nicht vorstellen können. Das Gut "Gesundheit" wird in dreißig Jahren ein "Luxusgut" sein. In einer PKV werden heute schon Teile der Beiträge verwendet, um Rückstellungen im Alter zu bilden. Alle PKV´s zusammen haben ca. 7 Mrd. Euro Rücklagen/Reserven. Die GKV´s hingegen haben Rücklagen in Höhe von 0 Euro und sind defizitär. Sie benötigen immer wieder neue staatliche Subventionen. Eine gute Investition für die Rückstellungen im Alter Im Hinblick auf das Thema "Gesundheit" ist eine private Rentenversicherung.

Frage von existXchange.de: Sie sagen, die Leistungen einer PKV können man nicht mit denen einer GKV vergleichen. Wenn für einen Existenzgründer der monatl. Cash-Out sehr wichtig ist: bei welcher Versicherung kann er sich am günstigsten gegen die größten Gesundheitsrisiken absichern?

Tino Weissenrieder: Das kann man nicht pauschal sagen. Dies ändert sich ständig, ähnlich wie bei Telefonanbietern oder PC-Produzenten.

Frage von zozpec: Ich habe noch nicht fünf Jahre lang Beiträge für Rentenkasse bezahlt. Also bin ich nicht zur Erwerbsminderungsrente berechtigt. Muss ich eine Berufsunfähigkeitsvers. abschließen?

Tino Weissenrieder: Mit dem Thema Krankenversicherung hat der Punkt Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) nichts zu tun. Jedoch macht es Sinn, eine private Berufsunfähigkeitsversicherung zu haben. Aber Sie müssen nicht verpflichtend eine abschließen.

Frage von Pc-Support: Vielen Dank für Ihre Antwort. Es könnte ja sein, dass ich mir zu einem späteren Zeitpunkt die PKV nicht mehr leisten kann... kann ich dann wieder in die GKV wechseln?

Tino Weissenrieder: Sie meinen, sie gehen insolvent und können sich die Beiträge nicht mehr leisten, und dementsprechend auch sonst nichts? Oder denken Sie, die Beiträge im Alter sind bei einer PKV höher als bei einer GKV? Dem ist, wenn man Experten Glauben schenkt, nicht so. Mehrere Fachleute prognostizieren die Prozentsätze für eine GKV in 30 Jahren auf ca. 20-25%, damit das Gesundheitssystem, wie wir es heute kennen, überhaupt finanzierbar bleibt.

Frage von zozpec: Wenn das Krankentagegeld nicht mehr bezahlt wird, und ich noch nicht geheilt, aber auch nicht permanent, sondern temporär noch berufsunfähig bin, gibt es eine Versicherung, die ab dieser Zeit weiter bezahlt? Abgesehen davon: Wie lange bezahlt die GKV den Krankenhausaufenthalt?

Tino Weissenrieder: Eine Krankenversicherung bezahlt "normalerweise" bis zu 72 Wochen. Falls jedoch in diesem Zeitraum festgestellt wird, dass der "Kranke" nicht krank, sondern berufsunfähig ist (Definition von Berufsunfähigkeit: Voraussichtlich länger als sechs Monate arbeitsunfähig), dann wird die Zahlung eingestellt. Und der "Kranke" hat hoffentlich dann eine private Berufsunfähigkeitsversicherung, ansonsten würde man "Sozialfall" sein, falls keine eigenen Rücklagen mehr bestehen.

Frage von PC-Support: Genau, was passiert, wenn ich bankrott gehe und deshalb keine Beiträge mehr bezahlen kann - dann wirft mich die PKV hinaus, und ich habe keine Krankenversicherung, oder?

Tino Weissenrieder: Wenn man bankrott geht, dann werden sie von ihrem gewählten Tarif in den so genannten "Basistarif" eingestuft.

Wir würden uns freuen, wenn wir Sie auch wieder zu unserem nächsten Experten-Chat am 3. Dezember von 16:30 Uhr bis 17:30 Uhr begrüßen dürften!

Ihr Starternetz-Team

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