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Aktuell: 25.08.08 "Dürfen Manager Ballack sein?"

Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz hat die aktuellsten Zahlen der Spitzenverdiener der Vorstände veröffentlich und damit große Diskussionen entfacht. Deutsche-Bank-Chef Ackermann, Daimler-Boss Zetsche und Linde-Chef Reitzle sind die Topverdiener der deutschen Wirtschaftselite. Josef Ackermann steht ganz oben mit stolzen 13,98 Millionen Euro. Da ist er gar nicht so weit entfernt von der Gage von Reese Witherspoon (15 mio $) oder der von Michael Ballack (16,8 mio $). Damit zeigt dieses Ergebnis ein deutliches Gehaltsplus im Vergleich zu den Vorjahren. Wie finden wir denn das? Manager als Michael Ballack? Auf der einen Seite dürfte wohl jeder Unternehmer, spätestens ganz ehrlich im Geheimen, zugeben, dass er an den Zaster will. Die Knete ist das Ziel, egal ob im Veranstaltungsgewerbe, bei den Banken oder bei den Kreativen. So sagte Regisseurin Doris Dörrie neulich in einem Interview „Jeder Satz kostet Geld“, und auch Katharina Wagner (Urenkelin von Richard Wagner) stellte fest, dass „Kunst und Geld Hand in Hand gehen“.
Das Interesse gut zu verdienen haben wir wohl alle. Doch gibt es eine Schamgrenze, die eingehalten werden sollte? Ist es irgendwann genug? Oder darf man hier Ungerechtigkeit nicht mit Neid verwechseln?
Ein wesentlicher Punkt ist für den Unternehmer, dass seine Mitarbeiter motiviert sind und sich gerecht behandelt fühlen, denn das Betriebsklima fördert lukrativ die Tätigkeiten. Es stellt sich also die Frage, wie sich ein Manager/Chef mit dem Geld verhalten sollte, dass seine Angestellten noch zufrieden sind. Zunächst einmal sind beide Seiten daran interessiert, dass es dem Unternehmen gut geht, denn der Job will behalten werden und das Gehalt möglichst gesteigert. Kritisch wird es, wenn die Renditen steigen und nur der Vorstand alles absahnt, oder in Krisenzeiten nur bei der Belegschaft gespart wird. Dies führt zu höchster Unzufriedenheit und Demotivation, was wiederum auch der Chef-Etage schaden wird. Und hier genau setzen die zahlreichen Kritikpunkte an, die verlautet werden: „Niemand ist so brillant, dass er das Zweitausendfache dessen verdient, was er seinen Arbeitern zahlt.“, so ein Kommentator der Süddeutschen. Damit haben wir also die besagte Schamgrenze gefunden: Ein Manager darf gerne entsprechend seiner Leistungen verdienen, das Geld muss aber im angebrachten Verhältnis zum Gehalt seiner Mitarbeiter stehen. Nur dann fühlen sich alle Beteiligten moralisch integriert und das kommt der Betriebswirtschaft zu Gute.
Bei zahlreichen Grossunternehmen ist dem leider nicht so. Dieses Verhalten lässt den Beliebtheitsgrad von deutschen Managern stark in den Keller rutschen. Noch in den 80er Jahren wurden Unternehmenschefs zwar gerne als dickbäuchige, zigarrenqualmende Gestalten karikiert, grundsätzlich genossen Sie aber ein respektiertes Ansehen in der Bevölkerung. Heute stehen Vorstände stärker in der Medienpräsenz und sie werden mit schließenden Konzernen, Steuerhinterziehungen und unseriösen Mitarbeiterkontrollen in Verbindung gebracht. Die Überlegungen der Politik, eine Gehaltsgrenze für Top-Manager einzuführen gegen „Gehaltsexzesse“, wäre vielleicht eine Lösung. Aber vermutlich ist es viel wichtiger, ein freiwilliges Umdenken an den Führungsspitzen zu erreichen und ein Verständnis zu verankern, dass auf Lange Sicht gesehen, ein weniger egoistisches Verhalten die Stimmung in der Gesellschaft verbessern würde und wesentlich auch die Stimmung im Unternehmen. Somit wäre eine klassische win-win-situation erreicht, die letztendlich zu mehr Profit führen würde.

 www.sueddeutsche.de, www.waz.de

 

 

mwa

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