Home » Aktuell

News vom 06.10.08

Bei Übernahme sinkt Wert von Firmen

Die Finanzkrise und die gedämpften Konjunkturaussichten haben die Preise bei Übernahmen im deutschen Mittelstand gedrückt. Diese sind im Vorjahresvergleich um etwa 20 Prozent gesunken, beobachtet Hannover-Finanz-Vorstand Jürgen von Wendorff. Und das ist ihm zufolge erst der Anfang. Grund hierfür ist die Zurückhaltung der Kreditgeber.

Die Finanzkrise und die gedämpften Konjunkturaussichten haben die Preise bei Übernahmen im deutschen Mittelstand gedrückt. Diese sind im Vorjahresvergleich um etwa 20 Prozent gesunken, beobachtet Hannover-Finanz-Vorstand Jürgen von Wendorff. Und das ist Wendorff zufolge erst der Anfang. Für 2009 und 2010 erwarten Experten noch mal einen deutlichen Preisrutsch. "Die Korrektur bei den Kaufspreisbewertungen steht erst am Anfang", ist Torsten Grede, Vorstandsmitglied der Deutschen Beteiligungs AG, überzeugt. Die Gründe dafür sind schnell aufgezählt. Zum einen trüben sich die Gewinnaussichten der Unternehmen durch den befürchteten Konjunkturabschwung ein. Ein noch wichtigerer Grund ist jedoch die Zurückhaltung der Kreditgeber. Seit Ausbruch der Finanzkrise sind die Banken wesentlich vorsichtiger, wenn es darum geht, Kredite für Übernahmen zu vergeben. Lag der Fremdkapitalanteil vor einem Jahr oft bei rund 70 Prozent, liegt er heute höchstens bei etwa 50 Prozent. Für die Finanzinvestoren selber steigt dadurch die Finanzierungsbelastung, denn die fehlenden Mittel müssen aus der eigenen Tasche kommen. Gleichwohl begrüßen viele Beteiligungshäuser diese Entwicklung. "Heute haben wir eine gesündere Finanzierungsstruktur die Spannungen aus dem Finanzmarkt nimmt", kommentiert Hannover-Finanz-Fachmann Wendorff. Banken bemessen die Höhe eines Akquisitionskredits, sprich ihren Anteil an der Übernahmefinanzierung, meist anhand des operativen Ergebnis vor Abschreibungen. War eine Bank vor einem Jahr noch bereit, durchschnittlich das Vierbis maximal Fünffache des Ebitda (earnings before interest, taxes and amortization) als Kreditbemessungsgrenze zu finanzieren, sank diese Messlatte zuletzt um etwa ein Drittel, erklärt der Beteiligungsexperte für mittelständische Unternehmen Nico Reimers von BPE Private Equity. Ein Problem ist, dass Banken das Kreditrisiko einer Transaktion oft nicht mehr alleine tragen wollen und komplexe Club-Deals eingehen, bei denen das Risiko auf mehrere Häuser verteilt wird. Für den Kredit werden außerdem üppige Zinssätze fällig. In den vergangenen zwölf Monaten stiegen die Darlehenszinssätze im Beteiligungsgeschäft um etwa vier Prozentpunkte. Das mangelnde Engagement der Banken können Beteiligungshäuser heute noch mit eigenen Mitteln ausgleichen. Die Fonds der Finanzinvestoren seien aus den Boom-Jahren 2006 und 2007 noch prall gefüllt, sagt Grede. Daher glaubt er, dass weitere Preisanpassung bei Übernahmen zeitverzögert eintreten. Denn die Szene der Finanzinvestoren ist wenig transparent. Beim Kaufpreis wird meist Stillschweigen vereinbart. Eine Korrektur nimmt daher vergleichbar mehr Zeit in Anspruch als an der Börse. Als Referenz nennt Grede den deutschen Aktienindex für kleinere Unternehmen SDax, der innerhalb des vergangenen Jahres rund 40 Prozent an Wert verloren hat. "So eine Korrektur gab es bei Übernahmepreisen bisher noch nicht", sagt Grede. Derzeit beobachtet Reimers rege Aktivität auf dem Beteiligungsmarkt: "Unternehmer, die einen Verkauf planen, überlegen, auf Basis der historisch besonders gesunden Geschäftszahlen zu veräußern, bevor der Konjunkturabschwung die Übernahmepreise in den Keller zieht." Insbesondere Unternehmen mit einer ungelösten Nachfolgeregelung, die einen Verkaufsprozess nicht auf Jahre in die Zukunft herauszögern können, beeilen sich, die Transaktion unter Dach und Fach zu bringen, ehe sich das Kaufpreisniveau verschlechtert. Unternehmer seien zudem motiviert noch 2008 zu verkaufen, um den Erlös abgeltungsteuerfrei wieder anlegen zu können", sagt Reimers. Christof Nesemeier von MBB Industries sieht in der aktuellen Entwicklung auch Chancen für die Investoren: Der Wettbewerb nehme ab und die Übernahmepreise fallen. Finanzinvestoren, die die schwierige Marktphase überleben, gehen aus der Krise als Gewinner hervor. Wer hingegen mit dem Gedanken spielt, seine mittelständische Firma in den kommenden Monaten zu veräußern, sollten sich über einen gut geeigneten Zeitpunkt und den zu erwartenden Übernahmepreis genau informieren. Sonst droht unter Umständen eine böse Überraschung. 

 Quelle: www.handelsblatt.com  

(E.S.)

Friends of Starternetz







Termine

Netzwerk