Home » AktuellNews vom 27.05.09
Gute Arbeitsstrukturen hörbar machenKönnen wir Qualität hören? Lässt sich das Umfeld, in dem wir leben und arbeiten, klanglich umsetzen? Und kann man damit das Kommunikationsmedium Sprache ergänzen?Das hinterfragt das neue Projekt „Organisationskultur und Musik – Innovation und Improvisation in Unternehmen“ (Music – Innovation – Corporate Culture, MICC). Der Forschungsverbund untersucht unter Leitung von Prof. Dr. Wolfgang Stark vom Fachbereich Bildungswissenschaften an der Uni Duisburg-Essen (UDE) das Geheimnis innovativer Organisationskultur. Ziel ist es, Firmenstrukturen mit Hilfe von Musik darzustellen und so Veränderungen zu ermöglichen.
Inwieweit Unternehmen, Organisationen oder soziale Systeme überlebensfähig und flexibel sind, hängt maßgeblich von ihrer Organisationskultur ab. Diese Dimension lässt sich aber nur beschränkt durch Sprache, Schrift oder Grafik erfassen. Bisher übliche Analysen beziehen sich vor allem auf direkt erkennbare Parameter sowie auf Zählbares und bilden den rationalen Teil hervorragend ab. Doch Emotionen, Einstellungen und kreative Elemente werden dabei nicht ausreichend berücksichtigt. „Je flacher Hierarchien sind und je komplexer die Organisation, umso mehr werden jene weichen Faktoren bedeutend. Deshalb fragen wir nach einer Tiefendimension, die über rationale Modelle hinausgeht. Unser Ansatz baut auf bestehende Theorien auf und bietet damit einen Mehrwert“, sagt Prof. Dr. Wolfgang Stark.
Das weltweit einzigartige Projekt betritt damit neue Wege in der Organisationsforschung. Es wurde mit dem Jazzmusiker und Improvisationswissenschaftler Christopher Dell und dem Führungskräftecoach Dr. Wolfgang Looss entwickelt. Angesiedelt ist MICC am Labor für Organisationsentwicklung (OrgLab), einer interdisziplinären Einrichtung für Weiterbildung und Forschung zur Organisations- und Personalentwicklung. Das Besondere des Labors besteht darin, neue Verbindungen und Instrumente zu entwickeln und zu erproben und für die Praxis zu testen.
Klassik, Jazz oder Techno? „Könnte man Unternehmenseinheiten in Musik umsetzen, würde man hören, ob die Qualität von Arbeitsprozessen oder Entscheidungen gut oder schlecht ist – und unter besonders günstigen Umständen würde man sogar den Musikstil hören können“, erklärt Professor Stark. Hört man mehr Dissonanzen oder mehr Harmonien? Ist die Musik langsam und getragen oder lebendig und anregend? Sogar wiederkehrende Handlungsmuster können hörbar werden. So wird die Kultur von Unternehmen wahrnehmbar und gleichzeitig an Führungskräfte und Mitarbeiter zurück gespiegelt. Das Musik- und Klangereignis kann die gemeinschaftliche Reflexion und somit notwendige Veränderungsprozesse anregen.
„Wenn Organisationen, die gut funktionieren, hörbar gemacht werden können, bietet sich das Klangergebnis als Benchmarkinginstrument für den Vergleich von Unternehmen an. Dieses Prinzip wird in der Medizin bereits zur Diagnostik genutzt und lässt sich gewinnbringend auf die Organisationsforschung übertragen“, so der Psychologe Wolfgang Stark. Das MICC-Vorhaben ist auf drei Jahre angelegt und wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und von der Europäischen Union mit 950.000 Euro gefördert. Es ist Teil der BMBF-Förderlinie „Innovationsstrategien jenseits traditionellen Managements“.
Quelle: Uni Duisburg-Essen
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