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News vom 26.06.08

Wenn Führungskräfte abwandern

RUB-Studie: Geringes "Commitment" bei Hochqualifizierten Repräsentative Befragung in der chemischen Industrie

Mehr als die Hälfte der Führungskräfte empfindet kein ausgeprägtesGefühl der Zugehörigkeit zum eigenen Unternehmen. Das ist das -durchaus überraschende und Besorgnis erregende - Ergebnis einerrepräsentativen Befragung in der chemischen Industrie. 1.600 Führungskräfte haben Bochumer Sozialwissenschaftler um Prof. Dr. LudgerPries schriftlich nach ihrer Bindung (Commitment) und Loyalität zumUnternehmen befragt. Ihr Fazit: Insbesondere wenn das Gefühl besteht,dass die eigene berufliche Entwicklung ins Stocken gerät und dieerwartete Anerkennung fehlt, sind Führungskräfte abwanderungswillig.

 

Erfolgsgaranten an der Nahtstelle

 

Befragt haben Prof. Ludger Pries und seine Mitarbeiter vom Lehrstuhlfür Organisationssoziologie und Mitbestimmungsforschung dieFührungskräfte im Auftrag des Verbandes angestellter Akademiker undleitender Angestellter der chemischen Industrie (VAA). Die Gruppe der"Hochqualifizierten" arbeitet an der Nahtstelle zwischen denBelegschaften und den Geschäftsführungen der Unternehmen. Sie sindentscheidend am wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens beteiligt,werden zugleich aber auch stark gefordert. "Durch ihr Fachwissen undihre Schlüsselqualifikationen sind sie entscheidende Leistungsträger",so Prof. Pries. "Deshalb sind die Loyalität und das Commitment dieserBeschäftigten gegenüber ihrem Unternehmen von herausragender Bedeutung."

 

Eine Frage der Bezahlung und der Orientierung

 

Die Ergebnisse der Untersuchung sind in Zeiten des allgemein beklagten"Fach- und Führungskräftemangels" indes alarmierend. Teils händeringendsuchen Unternehmen gut bzw. hoch qualifizierten Nachwuchs. DieFührungskräfte im eigenen Unternehmen zu halten, ist ein Garant fürwirtschaftlichen Erfolg. Die ausgeprägte Leistungsorientierung dieserBeschäftigtengruppe entspricht nicht zwangsläufig auch einer starkenUnternehmensbindung. Im Gegenteil: Rund 40 Prozent der befragtenHochqualifizierten geben an, eine besser bezahlte Stelle annehmen zuwollen, wenn sich die Gelegenheit böte. Bezogen auf ihreArbeitsorientierungen und -motivation identifizierten die BochumerForscher vier Gruppen von Beschäftigten: bei einer stehen diepersönlichen Nutzenvorstellungen im Vordergrund (18%), bei einerzweiten die beruflich-fachlichen Interessen (20%) - bei beiden Gruppenzeigt sich kein ausgeprägtes Commitment zum Unternehmen. Eine dritteGruppe von Befragten ist durch hohe (Karriere-)Bindung an das jeweiligeUnternehmen gekennzeichnet (22%), und bei einer vierten Gruppe stehtdie emotionale Bindung an den unmittelbaren Arbeitsbereich imVordergrund (19%) - bei diesen beiden Gruppen konnten die Forscher einestarke Organisationsbindung nachweisen (21% der Befragten konnten nichteindeutig zugeordnet werden).

 

Angemessen reagieren

 

"Für Unternehmen gilt es, diesen sich wandelnden Ansprüchen derhochqualifizierten Beschäftigten angemessen zu begegnen", so Pries."Denn nur zufriedene Führungskräfte werden auf Dauer ihre Leistung invollem Umfang den Unternehmen zur Verfügung stellen." Die Gruppe derHochqualifizierten werde - im Übergang zur Wissensgesellschaft -insgesamt weiter wachsen, prognostizieren die Bochumer Forscher, unddamit auch ihr Beitrag am wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens.

 

STARTERNETZ, 26.06.2008

Quelle: ruhr-uni-bochum

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