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News vom 27.06.08

Zollverein - Das Symbol für den Strukturwandel

Einen Brückenschlag zwischen altem Image und neuem Charakter zu finden, war und ist wohl eine der größten Herausforderung für das Weltkulturerbe Zollverein.

Dass dies gelingt, stellt die Geschichtsprofessorin Angela Schwarz von der Universität Siegen in einem Sammelband mit dem Titel „Industriekultur, Image und Identität“ fest, der kürzlich im Klartext-Verlag erschienen ist. Von 2003 bis 2007 hat sie gemeinsam mit einigen Nachwuchswissenschaftlern im Auftrag der Entwicklungsgesellschaft Zollverein (EGZ) und des Ministeriums für Bauen und Ver-kehr des Landes NRW zahlreiche Interviews über den Wandel in der Wahrnehmung der ehemaligen Zeche und Kokerei mit den Menschen rund um Zollverein durchgeführt. Das Fazit: Die Resonanz auf das Welterbe bei Bewohnerinnen und Bewohnern der Region ist groß. So spricht die überwiegende Mehrheit der Interviewpartner von Freude und sogar Stolz, das Aushängeschild der Route der Industriekultur im Essener Norden auswärtigen Gästen zeigen zu können. Derzeit 800.000 Besucher sind es jährlich. Eine Million das Ziel 2010.

 

Die Grundlage der Untersuchung bilden rund 200 Interviews mit den Bewohnern der umliegenden Stadtteile, mit ehemaligen Beschäftigten von Zeche und Kokerei Zollverein, mit Besuchern des Weltkulturerbes, mit ehemaligen Arbeitsmigranten, die geblieben sind, obwohl die Arbeit gegangen ist, aber auch mit visionären Neunutzern des architektonisch so einmaligen Zollverein-Geländes, mit lokalen Politikern und Gewerbetreibenden. Am Beispiel der ehemaligen Steinkohlenzeche Zollverein geht es um Fragen wie konkret der Wandel von Struktur, Image und Identität im Ruhrgebiet zusammenhängt oder wie sich nicht nur Industrieanlagen, sondern auch Alltagsleben, Selbstverständnis und Außenwirkung verändert haben?

 

 

„Zollverein ist für das Land Nordrhein-Westfalen von zentraler Bedeutung. Nicht nur, weil es das einzige Weltkulturerbe im Ruhrgebiet ist, sondern auch, weil hier seit der IBA Emscher Park in den 90er Jahren ein Experiment gewagt wurde, das heute inter-nationalen Modellcharakter hat. Stadt und Land haben das Ende des Kohlebergbaus als Neuanfang für einen kreativen, zukunftsfähigen und gleichzeitig publikumsnahen Umbau genutzt, und dies im Essener Norden umgesetzt, dessen Bewohner 150 Jahre lang von und mit der Steinkohleförderung gelebt haben. Der Wandel vollzieht sich nicht nur auf dem Gelände, sondern vor allem auch im Bewusstsein der Menschen.“, so Karl Jasper, Ministerium für Bauen und Verkehr NRW.

 

„Die Zeche Zollverein und der Wandel in den Köpfen“ lautet der Untertitel des Sammelbandes. Einst war die Zeche Zollverein eine „verbotene Stadt“ zu der selbst die Mitarbeiter den Seiteneingang benutzten. Heute steht der Ehrenhof des Kulturerbes offen für Besucher aus aller Welt. Zollverein ist Standort der Kreativwirtschaft in Nordrhein-Westfalen und Naherholungsgebiet für die Anwohner des Essener Nordens. Aber auch die Generationen treffen zusammen durch eben diesen Wandel in den Köpfen. So wird in einem der Interviews ein pensionierter Steiger zitiert: „Mein Eindruck als ehemaliger Bergmann ist, dass Zollverein eine Zukunft haben muss. Ich denke da auch an meine Enkel, dass man da eine Chance hat, nicht nur zu zeigen, wie es war, sondern auch wie sich etwas entwickeln kann. Wie aus einer Industriebrache, wenn sie so wollen, etwas Lebendiges, etwas Zeitgerechtes entstehen kann.“ So zieht Prof. Schwarz am Ende des Sammelbandes das Fazit: „Die Menschen sind nicht nur im strukturverwandelten Ruhrgebiet angekommen, sondern der Wandel in den Köpfen geht unaufhörlich weiter, und das weitaus aufgeschlossener, beweglicher und selbst-bewusster, als gemeinhin der Region zugestanden wird.“

 

Margarete Meyer von der Stadtentwicklung Essen kann diesen Prozess für die Menschen um das Welterbe nur bestätigen: „Durch die einzigartige Zusammenarbeit vieler Akteure und Menschen ist es gelungen, Identität für die Stadtteile rund um Zollverein zurückzugewinnen. Etwas, was im Verlauf des Strukturwandels drohte verloren zu gehen – eine langwierige Arbeit, die noch nicht zu Ende ist, aber bereits zahlreiche Früchte trägt.“

 

Dies, so Roland Weiss, Geschäftsführer der Entwicklungsgesellschaft Zollverein, zeigen auch die Besucherzahlen seit 2002: „In den letzten fünf Jahren haben sich die Besucherzahlen auf Zollverein verdoppelt. Durch die Fertigstellung 2006 verschiedener Großprojekte wie die Zollverein School, die Kohlenwäsche mit dem Besucherzentrum und den Zollverein Park hat die Attraktivität Zollvereins entscheidend gewonnen. Zuletzt konnten wir die Besucherzahlen von Jahr zu Jahr um mehr als 20% steigern. Mit der Eröffnung des Ruhr Museums und des Portals der Industriekultur im nächsten Jahr und vor allem mit der Perspektive Kulturhauptstadt Europas RUHR 2010 ist ein weiterer Sprung von derzeit 800.000 Gästen auf eine Million Besucher jährlich realistisch.“ Eine magische Grenze, auf die die Stiftung Zollverein zielorientiert hinarbeitet.

 

STARTERNETZ, 27.06.2008

 

Quelle: Presse Zollverein

 

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